Hunger im Bauch

 

 

Ein Knurren dröhnt durch das Land,

als wenn ein Düsenjet die Schallwand durchbricht. 

Es grumbelt und rumpelt,

als ob bald ein Vulkanausbruch bevorstehen würde.

Die Welt hat Hunger und sie hat Zähne,

und beisst sich damit ein Stück aus der Menschheit heraus. 

 

Kinder halten sich ihre Bäuche,

aber nicht weil sie so wohlgenährt sind wie viele Manager,

die gerade aus einem der vielen Restaurants treten.

Nein, sie haben Hunger, Hunger in ihrem Bauch.

 

Ich weiss nicht wie sie dies aushalten,

denn Hunger zu haben, ist ein beklemmendes Gefühl,

wenn man es nicht ersticken kann. 

 

Wir im Westen essen und fressen,

stopfen uns voll,

werfen alles fort nach Ablaufdatum.

Es ist die reinste Völlerei,

doch kaum 300km weiter hungern Menschen.

 

Sie sind gebaut wie wir,

jedoch nur Haut und Knochen.

Sie wollen auch leben.

Sie wollen auch ihren Hunger stillen.

 

Mit zittrigen Finger zeigen sie auf uns,

wir sind die Bösen,

die Unersättlichen,

die, welche ihnen den Hunger verursachen. 

 

Doch was unternehmen wir dagegen?

Ein bisschen Hilfmittel da,

ein bisschen Unterstützung hier.

Aber bewusst etwas ändern,

dies können wir nicht.

So denken wir.

Ist es aber wirklich so?

 

Wir müssen unser Land selber bewirtschaften,

müssen lernen von unseren eigenen Reserven zu leben

und nicht immer nach mehr und mehr zu streben,

andere für uns arbeiten zu lassen.

Zu Mindestlöhnen,

oder noch viel weniger,

zu schlechten Arbeitsbedingungen,

oder gar lebensgefährlichen. 

 

Der Tod lauert,

er kann um jede Ecke warten.

Auch auf dich.

Nicht nur auf die Hungrigen,

doch ihnen begegnet er oft schon viel früher.

Sie haben keine Angst vor ihm,

sie erwarten ihn nur,

denn er nimmt ihren Hunger und stillt ihn.

Wir jedoch fürchten uns vor ihm,

zittern wenn wir uns sterbenskrank fühlen,

wollen den letzten Atem keinesfalls aushauchen,

denn nun verspüren wir einen unermässlichen Hunger.

 

Den Hunger nach Leben,

doch dieser ist irgendwann gestorben,

in einer Zeit, als wir vergasen,

dass wir nicht alleine auf dieser Welt sind.

 

Nun ist es zu spät,

wir alle müssen leiden

und auch wenn wirs bewusster hinauszögern können,

so ist es auch einmal Zeit für uns zu gehen und zu verstehen:

 

Wir sind alle eins.

Ein Volk,

eine Rasse,

eine Klasse.

 

Doch wer hat die Unterteilungen gemacht,

hat sich die Macht genommen

und einfach eingeteilt,

als ob es Klassen, Rassen und Völker gäbe? 

 

 

geschrieben 2006

 

Die Bilder der Hungerkrise am Horn von Afrika 2006 hatten mich total erschüttert. Ich verspürte solch einen Schmerz in mir und solch eine grosse Verzweiflung. Und wenn ich heute meinen Text lese, frage ich mich, weshalb trotz der 15 Jahre die inzwischen verstrichen sind, nicht ein gigantischer Wandel zum Guten, hin zu Lösungen stattgefunden hat. Worauf warten wir noch?